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Wer ist TIMM? Drucken E-Mail

Zwei Moderatoren von TIMMWer Bluewin TV abonniert hat, findet seit einiger Zeit einen (lesBi)schwulen Fernsehsender im Programm. Wir haben uns auf dem deutschen Kanal TIMM ein bisschen umgesehen.

von Martin Mühlheim

Seit 1. November 2008 strahlt TIMM ein Programm aus, das sich in erster Linie an schwule Männer richtet: „Wir lieben Männer“ ist der offizielle Slogan des Kanals. Angesichts verschiedener Sendungen, die durchaus auch ein lesbisches und bisexuelles Publikum ansprechen könnten, ist diese Fokussierung auf Schwule allerdings etwas erstaunlich.

Dokumentationen

Die Doku-Serie Coming Out Stories beispielsweise zeigt Geschichten sowohl von Frauen als auch von Männern; eine lesbischen Rapperin und ein jahrelang ungeouteter Bürgermeister werden unter anderem porträtiert. Die bisher gesehen Folgen konzentrierten sich auf Erfolgsgeschichten: Ängste erwiesen sich als grundlos, die Freunde und Verwandten reagierten positiv. Es wird interessant sein zu verfolgen, ob auch weniger erfreuliche Erfahrungen in diesem Sendegefäss Platz haben.

Dokumentationen haben im Programm von TIMM generell einen hohen Stellenwert. Ob sich in Camp Out junge Schwule und Lesben in ein christliches Sommercamp für Homosexuelle begeben oder ob in Queer as Old Folks ältere Semester von ihrem schwulen Lebensweg erzählen: Für jede und jeden ist wohl etwas dabei. Die erwähnten Dokumentationen stammen zwar ausnahmslos aus dem angelsächsischen Raum, doch zeigt ein Blick auf die Homepage des Senders (www.timm.de), dass auch deutsche Produktionen eine Chance haben: Ganz in Schwarz: Die Wahl zum German Mr. Leather sei hier als Beispiel erwähnt.


Lifestyle und Dating Shows

Weniger tiefgründig geht es in den zahlreichen Lifestyle-Formaten zu und her. Hinlänglich bekannt ist Queer Eye for the Straight Guy – eine Sendung, in der schwule Männer einen Heterosexuellen für Frauen attraktiver machen sollen und die in erster Linie eine Plattform für endloses Product Placement darstellt. Das in Australien produzierte Reisemagazin Out & About ist zwar ebenso eindeutig auf Kommerz ausgerichtet, bietet aber nebenbei durchaus spannende Einblicke in die lesBischwule Szene von Städten wie New York, Sidney oder Stockholm.

Wem MTV, Viva und Konsorten noch nicht genug Dating Shows liefern, der kann sich auf TIMM an Homecheck und Boy Meets Boy erfreuen. Die erstgenannte Sendung ist ein entfernter Verwandter von Room Raiders: Zwei schwule Männer haben ein Rendez-vous – allerdings zunächst nIntermezzo auf TIMMicht mit dem Gegenüber, sondern mit dessen Wohnung; wir sehen, wie die beiden Kandidaten auf die Bleibe des jeweils anderen reagieren, bevor sie sich im grossen Finale persönlich kennen lernen. In Boy Meets Boy sehen sich Kandidaten hingegen von Anfang an: Es sind fünfzehn Männer, die um die Gunst eines anderen buhlen. Der Clou: nicht alle sind schwul. Wählt der Umworbene am Schluss einen schwulen Mann, gewinnen die beiden eine Traumreise zu zweit; fällt seine Wahl auf einen Hetero, gewinnt dieser 25'000 Dollar, während der Getäuschte leer ausgeht.

Serien

Liebesmühen stehen auch im Zentrum der kanadisch-amerikanischen Serie Exes & Ohs, in der sich die Dokumentarfilmerin Jennifer nicht nur mit beruflichen Problemen, sondern auch mit einem komplizierten Beziehungsgeflecht auseinandersetzen muss: ihr Kreis von Freundinnen ist gleichzeitig emotionale Stütze und Quelle sexueller Verwirrungen.

Natürlich bietet TIMM auch bekannte Serien wie The L-Word und Queer as Folk, doch ein beachtlicher Teil der gezeigten Produktionen war bis anhin nicht im deutschen Fernsehen zu sehen (wie etwa die seifig-süssliche Telenovela Rodrigo: Spiel der Herzen oder Noah’s Arc, deren Darstellerriege beinahe ausschliesslich aus Afroamerikanern besteht). Wer’s lieber etwas böse mag und einem Humor irgendwo zwischen The Simpsons und South Park etwas abgewinnen kann, der oder die sollte sich aber doch eher Rick & Steve zu Gemüte führen – nur schon um zu erfahren, dass auch lego-ähnliche Männchen und Weibchen ein (mehrheitlich gleichgeschlechtliches) Sexualleben haben.

Talkshows und mehr

Natürlich könnte man noch mehr schreiben über TIMM. Die Interviewsendung TIMMOUSINE beispielsweise scheint trotz des etwas dümmlichen Grundkonzepts – warum müssen die Gesprächspartner durch eine Stadt chauffiert werden? – Interessantes zu bieten: Wer wollte nicht immer schon wissen, welche Erfahrungen eine Bestattungsunternehmerin mit lesBischwulen Kunden gemacht hat?

TIMM muss sich insgesamt also nicht verstecken: Gemessen am Fernsehdurchschnitt schneidet „erste frei empfangbare Fernsehsender für schwule Männer in Deutschland“ ganz okay ab. Ob dieser Vergleich ein Kompliment ist? Das beantwortet am besten jede und jeder für sich.