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Pink Apple zum Zwölften (April 2009) Drucken E-Mail

In Frauenfeld fand 1998 die erste Ausgabe von Pink Apple statt; zwei Jahre später brachten die Eurogames das schwullesbische Filmfestival nach Zürich. Im Jahr der EuroPride 09 dürfen wir dementsprechend viel erwarten.

von Martin Mühlheim

Die zwölfte Ausgabe von Pink Apple findet vom 29. April bis 6. Mai in Zürich (im Arthouse Movie) und vom 7. bis 10. Mai im Cinema Luna in Frauenfeld statt. Doris Senn und Roland Loosli gehören zum dreiköpfigen Vorstand und sind gerade mit der Programmgestaltung beschäftigt, als wir uns im Metropol Café zum Interview treffen.

Mehrfach international

Für Roland ist die grosse Internationalität einer der schönsten Aspekte des Festivals: Nicht nur die Besucher der EuroPride, auch die Filme von Pink Apple kommen aus ganz Europa. In der belgischen Produktion Sens interdits beispielsweise liebt die Polizistin Jennifer die Muslimin Selin, deren Familie sie mit einem türkischstämmigen Mann verheiraten möchte; Konflikte sind somit vorprogrammiert. Neben europäischem Kino bieten die OrganisatorInnen Filme aus Nord- und Südamerika sowie, mit Dostana und Miao Miao, einen Beitrag aus Kuwait und eine Koproduktion aus Hongkong und Taiwan. Insgesamt sind dieses Jahr nicht weniger als zwanzig Länder am Festival vertreten.Miao Miao

Als besonders bereichernd empfinden Doris und Roland zudem die Zusammenarbeit mit anderen schwullesbischen Filmfestivals. Ein Beispiel dafür ist das Kurzfilmprogramm „Zurich Meets San Francisco“, ein vielfältiger Mix aus Beiträgen aus den Vereinigten Staaten, zusammengestellt mit Unterstützung von Frameline, dem ältesten LGTB-Filmfestival der Welt, und dem Consulate General of Switzerland, San Francisco.

Premieren zur Eröffnung

Die diesjährige Ausgabe von Pink Apple wird im Arthous Le Paris standesgemäss eröffnet mit einer Ansprache der frischgebackenen Stadtpräsidentin Corine Mauch. Den filmischen Auftakt bildet im Anschluss El niño pez (Argentinien/F/E 2009) von Lucía Puenzo – für Doris Senn ein besonderer Grund zur Freude, beginnt Pink Apple so doch zum ersten Mal mit einem lesbischen Beitrag.

El niño pez

Doris betont ausserdem, wie wichtig es gerade für das jüngere Publikum sei, zusammen mit dem aktuellen Schaffen auch die Geschichte des schwullesbischen Films zu würdigen. Die EuroPride zum vierzigsten Jahrestag des Stonewall-Aufstands (als Reaktion auf eine Razzia in einer Schwulenbar an der Christopher Street in New York) bietet dafür den perfekten Rahmen; zwei der Glanzlichter aus dem Archiv sind der dokumentarische Klassiker Before Stonewall  (USA 1984) und Ulrike Ottingers Johanna d’Arc of Mongolia (BRD/F 1989).

Gäste und Publikum

Ulrike Ottinger ist gleichzeitig eine der vielen Filmschaffenden, die Pink Apple dieses Jahr als Gäste besuchen, um sich mit ihrem Publikum zu unterhalten. Ein weiterer prominenter Besucher ist Richard Stevenson, seines Zeichens Autor der Donald-Strachey-Krimireihe. Stevenson wird am 13. Mai nicht nur der Filmfassung von On the Other Hand, Death beiwohnen, sondern zwei Tage später auch Ausschnitte aus dem neuesten Fall seines schwulen Detektivs vorlesen.  On the Other Hand, Death

Für Doris und Roland gehören Veranstaltungen mit Gästen jeweils zu den Höhepunkten des Festivals. Eine weitere Motivationsquelle bilden die positiven Rückmeldungen des Publikums: Wenn jemand sich bei ihnen für die grossartige Stimmung bedankt, geht allfälliger Ärger über technisch-organisatorische Pannen zumindest leichter vergessen. 

Team und Mithilfe

Dafür, dass Pannen nur selten vorkommen, sorgt das aus rund fünfzehn Personen bestehende Festival-Team zusammen mit einer Reihe von Freiwilligen, die beispielsweise bei der Ticketkontrolle oder beim Übersetzen helfen. Leute mit Englischkenntnissen sind im Vorfeld immer gefragt, und wer zur Mitarbeit bereit ist, stösst bei Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. kaum auf taube Ohren. Roland ruft ausserdem eine besonders angenehme Form der Mithilfe in Erinnerung: Wer mit Familie, Freunden und Bekannten möglichst viele Film-Vorstellungen besucht, leistet einen zentralen Beitrag zum Gelingen von Pink Apple.

Optimistisch stimmt im Ausblick auf die diesjährige Ausgabe die hohe Qualität der Filme: Roland bezeichnet 2009 ausdrücklich als einen guten Jahrgang – und Doris möchte auf die Frage, welches ihr diesjähriger Lieblingsfilm sei, gar nicht erst antworten: "Ich muss ja nicht einen Film auswählen; wir können neunzig Filme zeigen!"

Mehr Informationen unter: www.pinkapple.ch

Das Programm wird am 7. April veröffentlicht. Tickets sind ab 21. April in allen Arthouse-Kinos und auf der Festival-Webseite erhältlich.