News

Noch nicht "normal" - HAZ-News Nr. 11

Wochenanfang!

 

Am Wochenende kreisten drei Artikel in den sozialen Medien, die schön und schlimm zeigen, warum es auch 2017 und auch für "ganz normale schwule Männer" relevant ist, dass Intoleranz und Hass gegen LGBTQ-Menschen nicht geduldet werden. Dass es notwendig ist, dass es Organisationen wie die HAZ gibt, die Menschen stärken und vernetzen, die nicht in die "Norm" passen.

 

Artikel 1: Erinnert ihr euch an den unsäglich schwulenfeindlichen Artikel in der FAZ gegen die "Ehe für alle"? Den, wo behauptet wurde, dass Jungen, die bei schwulen Paaren aufwachsen, erhöhter Gefahr von sexuellen Übergriffen ausgesetzt seien? Jetzt gab es - dank Menschen, die den Artikel gemeldet haben - eine Rüge vom Presserat: http://www.taz.de/!5448693/

 

Artikel 2: Auf einer Oktoberfest-Fansite wurde ein kleines Regelwerk veröffentlicht, wie Schwule sich auf der "Wiesn" verhalten sollen. Schwule (und Lesben) sollen wissen, dass nicht alle Wiesn-Besucher tolerant genug für schwule (und lesbische) Paare sind. Schwule sollen keine männlichen Bedienungen anbaggern. - http://www.oktoberfestportal.de/rosa_01-wiesn-tipps_oktoberfest.htm

 

Artikel 3: Hate Crimes gegen LGBTQ-Menschen in der Schweiz. Solange sie nicht von der Kriminalstatistik als solche erfasst werden, ist es schwierig, sie gezielt zu bekämpfen. https://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/der-heimliche-hass/story/13014483

 

Was haben diese Dinge miteinander zu tun? Sie zeigen deutlich, dass wir noch immer in einem gesellschaftlichen Klima leben, in dem es alles andere als "ok" und "normal" oder gar "ein alter Hut" ist, l,g,b,t oder q zu sein.

 

Im Gegenteil: Menschen, die Dinge behaupten wie der FAZ-Artikel, wissen, dass sie geheime Ressentiments bedienen und Klicks und Likes und hämische Kommentare erzeugen, wenn sie gegen gleichgeschlechtliche Paare wettern.

 

Wenn auf der Wiesn oder sonstwo im öffentlichen Raum Schwule, Lesben und Bisexuelle flirten oder eine*n Partner*in vom gleichen Geschlecht an der Hand halten, sind sie entweder "dumm" oder "selber Schuld", wenn sie Opfer von Pöbeleien oder Angriffen werden. Problematisiert werden hier unsere Existenz und unser Verhalten. Nicht problematisiert wird, dass Gruppen angetrunkener Männer* ein gefährliches Klima schaffen für alle, die ihnen nicht passen. Wo ist der Wiesn-Ratgeber, der sagt: "Leute, wenn ihr trinkt: Reisst euch zusammen, schlagt und pöbelt nicht - die Wiesn soll für alle ein sicherer Ort sein?" Die Idee ist offenbar zu abwegig. Dabei würde das nicht nur LGBTQ-Menschen, sondern auch Frauen* und People of Color und andere schützen.

 

Und im dritten Artikel geht es unter anderem um einen Mann*, der krankenhausreif geschlagen wurde, weil es ihn gibt. Weil er in seiner Wohnumgebung nicht versteckt hat, dass er Beziehungen mit Männern* hat. Keinem passiert so etwas, weil er/sie hetero (oder cis) ist. Dennoch gibt es eine gewisse Müdigkeit, sich mit der Situation von LGB(T)-Menschen auseinanderzusetzen. Einige wittern schon Benachteiligung der Heteros (und ernten damit Beifall). Dabei braucht es diese Auseinandersetzung und diese Kämpfe. Damit es sicherer wird, zu sein, wer wir sind. Dafür kämpfen sehr viele Menschen. Viele individuell mit ihrer Offenheit gegenüber Nachbar*innen, Familie, Arbeitskolleg*innen. Viele aber auch organisiert in Vereinen der Community. Wer sich noch gar nicht engagiert sollte das ändern! Spenden oder HAZ-Member werden ist ein guter Start: http://www.haz.ch/Member-werden.htm

 

So, nun aber zu den

HAZ-News!

 

Bi visible! Das Motto des neuen HAZ-Magazins passt perfekt in den Bi-Visibility-Monat, der die Sichtbarkeit von Bisexualität fördern will. Das HAZ-Magazin ist für Member der HAZ gratis: http://www.haz.ch/Member-werden.htm Für 30 CHF im Jahr kann es aber auch von Nicht-Membern abonniert werden. http://www.haz.ch/HAZ_Magazin.htm

 

Logo Kino zum Coming Out Day 2017 HAZ und Xenix

 

Coming Out Day im Xenix:  Am 11. Oktober haben wir mit "Arianna" und "Something must break" zwei aussergewöhnliche Filme im Programm, die bislang nur auf Festivals zu sehen waren. Wie ist ein Coming-out, wenn es darum geht, wer du selbst bist? Wenn das Herausfinden, wer du bist, genauso schwierig oder gar schwieriger ist, als darüber zu sprechen? Wenn deine blosse Existenz Fragen darüber aufwirft, was Geschlecht überhaupt ist? Ab 18 Uhr. Mehr: http://www.haz.ch/Coming-Out-Day.htm

 

Verlosung: Für "Melodien für Freund*innen" am 30. September im Volkshaus verlosen wir 2 Tickets! Der schmaz singt sich durch sein neues Repertoire über Genre-, Länder und Stilgrenzen hinweg. Der schwule Männerchor schwelgt in der Romantik, feiert den Gospel, reist melodisch durch Schweden und Südafrika, um unter anderen im Pop zu landen. Dabei ertönt manch «Unerhörtes». Ab 20 Uhr. Für Newsletter-Abonennt*innen und/oder HAZ-Member. Bis 24.9. Mail mit Betreff "schmaz" an gewinnspiel@haz.ch :-)

 

Veranstaltungstipps

20. September // Queer Migs: Queer'n'Beer // Huusmaa
Meeting for lesbian, gay, bi, trans people, who are new to Switzerland and Zurich. A new Queer & Beer is taking place at Huusmaa. We hope to see many of you, we'll have a great time together! Huusmaa: Badenerstrasse 138, Zurich.

 

21. September // Lesung Édouard Louis // Kaufleuten
Der Autor von "Das Ende von Eddy" ist nun nach dem grossen Erfolg bereits mit seinem zweiten Buch auf Lesereise: "Im Herzen der Gewalt" nun verarbeitet exakt das, was der Titel besagt: Fremdenfeindlichkeit, Homofeindlichkeit und andere Klüfte zwischen den Menschen, in der französischen und europäischen Gesellschaft. 20 Uhr, Kaufleuten.

 

21.-24. September // queer fear // Frauen*Raum Bern
das queer_feministische politfestival queer fear öffnet als dreitägiger feel tank einen aktivistischen, künstlerischen, körperlichen und denkerischen raum für und gegen queere ängste. offen für alle geschlechter. http://www.queerfear.ch/

 

26. September // Transkinder - gehen uns alle etwas an // Stadthaus Zürich
Im BiblioTalk berichten Eliana Keller, Mutter eines Transmädchens und Tanja Martinez, Heilpädagogin und Ressortverantwortliche Kinder und Jugend bei Transgender Network Switzerland von ihren Erfahrungen mit Transkindern und diskutieren mit dem Publikum. Ab 18 Uhr.

 

LGBTQ-News

LGBTI-Stelle für Gleichstellung: Die Stadt Bern hat am 14.9. die finanziellen Mittel für eine LGBTI-Stelle in der Fachstelle für Gleichstellung bewilligt.

 

queerUp: Ein neues LGBTI-Medienportal ist letze Woche online gegangen. Powered by GayRadio will die neue Plattform Aktuelles aus der LGBT-Welt in der Schweiz und weltweit auf die Handydisplays und Computerbildschirme bringen: https://queerup.ch/ Wir wünschen viel Erfolg!

LGTB-Aktivistin angeklagt: Heute beginnt das Verfahren gegen die russische Aktivistin Jewdokija Romanowa. Sie war durch die Anti-LGBTQ-Propaganda-Gesetze im Juni in Haft gekommen. Eine Petition von Queeramnesty fordert ihre Freilassung! https://queeramnesty.ch/lgbt-aktivistin-wegen-homosexueller-propaganda-angeklagt/


Medienschau

Swissinfo der SRG hat ein spannendes Portal mit LGBTIQ-Themen zusammengestellt:
https://www.swissinfo.ch/ger/dossiers/lgbtiq-sein-in-der-schweiz

Das queer Youth Festival "lila." ist Geschichte:
https://www.aargauerzeitung.ch/aargau/fricktal/das-erste-kulturfestival-lila-war-vielleicht-bereits-auch-das-letzte-131698356

Der homo-, trans- und frauenfeindliche "Marsch fürs Läbe" wurde abgesagt:
http://www.aktivistin.ch/news/2017/9/17/handmaidstale

Bis zum nächsten Newsletter! Feedback gern an Hannes unter info@haz.ch